Hallo Annakarin
Vielen Dank für dein Interesse an unseren Produkten. Wir freuen uns sehr, dass auch dir viel an Produkten aus fairem Handel liegt.
Es ist so, dass Kinderarbeit auf Kakaoplantagen in erster Linie in Westafrika ein Problem ist und dort vor allem in Côte d’Ivoire. Hauptursache der missbräuchlichen Kinderarbeit, die in den verschiedensten Wirtschaftszweigen Westafrikas trotz behördlichem Engagement leider vorkommt, liegt bei der dort herrschenden unbeschreiblichen Armut. Diese gilt es zu bekämpfen. Da die wirtschaftliche und soziale Bedeutung von Kakao für die Bevölkerung enorm gross ist und sehr viele Menschen direkt oder indirekt vom Kakaoanbau abhängen, halten wir an der Beschaffung von westafrikanischem bzw. ivorischem Kakao fest.
In Westafrika bestehen grosse Schwierigkeiten, was die lückenlose Kontrolle der Beschaffungskette betrifft: schlechte oder fehlende Infrastruktur, abgelegene Anbaugebiete, Bürgerkrieg im Fall von Côte d‘Ivoire etc. Erschwerend kommt hinzu, dass Kakao in kleinbäuerlichen Strukturen angebaut wird und somit allein in Côte d’Ivoire – dem Hauptanbauland von Kakao – rund eine Million Kakaobauern tätig sind. Angesichts dieser Dimensionen ist auch die Herausforderung offensichtlich, alle oder zumindest den Grossteil der Menschen dort zu erreichen. Weiter brauchen Veränderungen Zeit – zum Aufbau von rückverfolgbaren Lieferketten, zur Ausbildung von Leuten und zur Überwindung von politischen/kulturellen/gesellschaftlichen Barrieren.
Auf der Ebene der Chocolat Frey AG haben wir in den vergangenen Jahren verschiedene Massnahmen getroffen, um der Kinderarbeitsproblematik auf den Kakaoplantagen Rechnung zu tragen. Zertifizierte Kakaobohnen zu kaufen ist eine Möglichkeit, den Problemen entgegen zu wirken. Um sicherzustellen, dass unsere Kakaobohnen aus sozial- und umweltverträglichen Quellen stammen, sind wir daher dazu übergegangen, nur noch UTZ-zertifizierte Bohnen aus Westafrika zu beschaffen. UTZ Certified (www.utzcertified.org ) ist ein unabhängiges Label, welches nachhaltige Standards im Bereich Kakao, Kaffee und Tee setzt. Das Programm von UTZ stellt die Rückverfolgbarkeit des Kakaos sicher, und die Bauern erhalten einen besseren Preis für ihre Ernte. Sie werden zudem verpflichtet, keine Kinder auf ihren Plantagen zu beschäftigen. Das Einhalten der Standards wird regelmässig durch akkreditierte Zertifizierungsstellen überprüft.
Zusätzlich unterstützt das Programm weitere Initiativen wie Ausbildung der Bauern in landwirtschaftlicher Praxis (Behandlung der Kakaobäume, minimierter Pestizideinsatz usw.), Ausbildung von Kindern und Jugendlichen und medizinische Versorgung. So wird nicht nur der Problematik der Kinderarbeit Rechnung getragen, sondern es werden auch langfristig wirksame Schritte unternommen, die Lebensbedingungen der Bauern zu verbessern.
Wir planen ebenfalls auch den Kakao aus Lateinamerika aus UTZ-zertifizierten Quellen zu beziehen, dort sind wir aber mit der Umstellung noch nicht so weit. Im lateinamerikanischen Kakaosektor sind die Arbeitsbedingungen generell besser als in Westafrika und das Thema Kinderarbeit ist nicht so latent. Dies ist auch der Grund, warum wir in Westafrika mit der Beschaffung von zertifiziertem Kakao begonnen haben.
Über UTZ-zertifizierten Kakao hinaus pflegt die Migros-Tochter Chocolat Frey seit 2012 eine langfristige Partnerschaft mit einer ivorischen Bauernorganisation. Die Chocolat Frey steht dadurch in direktem Kontakt mit den Vertretern der Kooperative, wodurch das undurchsichtige, weitverzweigte System von Zwischenhändlern zum grössten Teil entfällt. Damit wird die unheilvolle Spirale von Armut, Korruption und missbräuchlicher Kinderarbeit durchbrochen.
Es ist uns bewusst, dass wir mit diesen Schritten erst ein Etappenziel erreicht haben. Die Migros wird gemeinsam mit Chocolat Frey AG ihre Verantwortung aber weiterhin wahrnehmen und die Bemühungen hinsichtlich einer nachhaltigen Versorgungskette auf allen Ebenen fortsetzen.
Liebe Grüsse
Dein M-Infoline Team