Die digitalen Coupons in den Medien: Aus der heutigen "Zürich West"
Einfach einkaufen?
Thomas HoffmannEinkaufen ist eigentlich ganz einfach. Und die Technik macht es immer einfacher. Nun ja, ein paar Tücken gibt es schon. Als ich bei meinem Grossverteiler zum ersten Mal die digitalen Coupons auf dem Handy aktivieren will, muss ich feststellen, dass es hier keinen Handyempfang gibt.
Beim zweiten Mal bin ich schlauer, aktiviere die Coupons zuhause: jenen für 5-fache Punkte, jenen für 2-fache Punkte und jenen für vergünstigte Bananen. Heute erhalte ich also siebenmal so viele Punkte, wie mein Einkauf wert ist. Zuerst hol ich einen Blumenstrauss, dann kann es losgehen.
Samstags kauf ich zwar nicht gerne ein, wegen der Schlangen an den Kassen. Aber die Technik meines Grossverteilers machts erträglich: Ich kann das Vollkornbrot, das Naturejoghurt und die Quarktorte mit Aprikose selber scannen. Salat, Muscheln, und dazu passen – ja, Ofen-Pommes-frites. 50% Aktion sind sie auch noch.
Vorbei geht’s an den Warteschlangen zum Zahl-Automaten. Das Scanngerät in die Halterung, die Kundenkarte gezückt und – hä? Der Bananen-Coupon wurde zwar aktiviert, aber den 5-fachen und den 2-fachen zeigt es nicht an. Eine freundliche Dame nimmt mein Handy, wischt auf der App meines Grossverteilers ein bisschen hin und her, nützen tut es nichts. Sie storniert den Zahlvorgang, ich blicke besorgt auf meine tiefgefrorenen Ofen-Pommes-frites. Ihr Rat: Ich soll vors Einkaufscenter und die Coupons erneut aktivieren, sie tippe an der Kasse nochmals alles ein.
Ich gehorche – kann aber auf dem Handy weder den 5-fachen noch den 2-fachen Coupon finden. Zurück zur Dame. «Ah, dann hat es die Coupons zwar aktiviert, aber nicht angezeigt.» Ich atme auf. Doch die nette Dame muss mich enttäuschen: «Die erste Rechnung mit den 103.40 Franken ist storniert.» Mir bleibe nur, die neu eingetippten Waren ohne den Vergünstigungs-Coupon zu zahlen. «Bei den digitalen Coupons können wir hier gar nichts machen.» Sie drückt mir eine Karte mit Internetadresse und Telefon des Grossverteilers in die Hand. Pro Minute würde ein Anruf 8 Rappen kosten.
Auf dem Weg nach draussen kommt mir ein Verdacht. Ich hole die Quittung für die Blumen aus dem Portemonnaie. Für die 8.90 Franken hat es 5-fach und 2-fach Punkte gegeben.
Nun geht’s zum Kundendienst, mitsamt den 2 Kilo nicht mehr ganz tiefgefrorenen Pommes. Es funktioniert ganz einfach: die 7-fachen Punkte bei den Blumen rückgängig machen und beim Wochenendeinkauf verbuchen. So stell ich es mir vor, aber «da können wir gar nichts machen». Wenn die Coupons aktiviert seien, genüge es, einen Café im Restaurant zu trinken.
Kauf ich halt beim anderen Grossverteiler ein. Wenn ich dort an der Kasse zahle, erhalte ich Märkli, wie früher im Tante- Emma-Laden. Die kann ich in ein Heft kleben, und wenn ein Feld voll ist, erhalte ich ein Vielfaches meiner Punkte. So einfach geht das.