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Aufhebung des Alkoholverbots ist ein trauriges Resultat der ideenlosen Unternehmensführung

Kategorie: Allgemein

Sbaum
Sbaumvor 5 Monaten
Heute erhielt ich den Brief zur Urabstimmung zur Aufhebung des Alkoholverbots. Eine Aufhebung dieses Verbots wäre nicht nur falsch, sondern eine Farce.

Gedanken zu den Pro-Punkten in der Broschüre:

1) Kundenbedürfnis: Kunden kaufen am liebsten alles an einem Ort.
Das Bedürfnis ist richtig, jedoch führt die Einführung von Alkohol dazu, dass bei bestehender Regalfläche andere Produkte aus dem Sortiment genommen werden müssen. Das Argument ist somit hinfällig.

2) Wandel der Zeiten: Heutzutage ist Alkoholmissbrauch kein Problem mehr.
Es ist völlig klar, dass Alkohol heutzutage noch ein grosses Problem darstellt. Nicht nur die traurige anekdotische Evidenz meines Umfeldes zeigt dies, sondern auch statistische Erhebungen. Dass insgesamt weniger Alkohol konsumiert wird, ist zwar korrekt (9 Liter reiner Alkohol pro Kopf 1997 vs. 7,6 Liter 2020 [1]), aber die Menge ist einfach noch viel zu gross. Denn laut Ärzten [2] sind 100 g Alkohol (125 ml) pro Woche noch akzeptabel. Pro Jahr wären das pro Kopf 6,5 Liter reiner Alkohol. Nun muss man bei der "Pro-Kopf-Zahl" noch die Abstinenzler herausrechnen, die sich 2017 auf 23,3 % der Bevölkerung beliefen. [3] Der tolerable Pro-Kopf-Konsum schrumpft somit auf 5 Liter pro Jahr. Die Zahlen zeigen also deutlich, dass mehr Leute zu viel Alkohol trinken als man denken möchte.

3) Verantwortung: Migros werde alkoholische Getränke mit Augenmass und regional verankert anbieten.
Der Heroinkranke kann auch in eine kantonal kontrollierte Abgabestation gehen und seinen Schuss bekommen. Löst das sein Problem?

4) Genuss: Alkohol werde heute meist vernünftig als Genussmittel konsumiert und gehöre für viele Menschen zu einer guten Mahlzeit.
Alkohol ist kein Genussmittel, siehe Punkt zwei. “[...] gehöre für viele Menschen zu einer guten Mahlzeit”: Für den Heroinabhängigen gehört zu einem guten Tag auch ein Schuss.

5) Glaubwürdigkeit: Migros verkauft schon in anderen konzerneigenen Geschäften Alkohol.
Dieses Argument ist traurig, denn es ergibt genau andersherum Sinn. Wenn Migros glaubwürdig werden möchte, müssten sie in den anderen konzerneigenen Geschäften den Alkoholverkauf einstellen, denn Duttweiler hat seine Statuten für den Migros-Konzern erdacht und nicht auf dem Schirm, dass sich spätere Unternehmensführer über seine Statuten mit dem Kauf oder der Ausgründung anderer Geschäfte hinwegsetzen würden.

6) Wettbewerb: Migros ist ggü. Wettbewerbern benachteiligt.
Dieses Argument ist sogar korrekt, denn die Migros erzielt bei steigendem Umsatz immer weniger Gewinn. [4] Aber deshalb gleich Alkohol einführen zu wollen, zeigt die Schwäche der Unternehmensführung, das Geschäft innovativ und an der Moderne auszurichten.

Fazit:

Eine Funktion, dass z. B. Cumulus-Inhaber Extra-Punkte bekommen, wenn sie pro Abrechnungsperiode einen Maximalzuckergehalt beim Einkauf nicht überschreiten oder möglichst plastikfreie Produkte kaufen, wären doch innovative Sachen gewesen. Oder, dass man nicht halbherzig mit TooGoodToGo zusammenarbeitet, was die Migros-Mitarbeiter wegen der Mehrarbeit nervt und niemandem hilft, weil es nur 5 Lockvogelsäcklis pro Tag gibt, sondern eine eigene Filiale “Migros Last Minute” oder so gründet, wo man mit ordentlich Rabatt die Reste der umliegenden Filialen kaufen kann. Wir leben doch in einer Zeit, in der die Menschen besonders aufnahmefähig für neue Ideen sind. Vegatarier, Veganer, bewusste Lebensweise, Plastikverzicht – nie war es einfacher für einen Konzern, mal einen mutigen Schritt nach vorne zu gehen. Aber Nein! Die Migros wendet sich zurück und meint, dass Alkohol das Geschäft in Ordnung bringe.

Die Karte ist entsprechend ausgefüllt und wird noch heute in die Urne geworfen.

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/798451/umfrage/pro-kopf-konsum-von-alkohol-in-der-schweiz/
[2] https://www.apotheken-umschau.de/gesund-bleiben/ernaehrung/alkohol-so-viel-ist-zu-viel-836599.html, "So empfiehlt die US-amerikanische Kardiologie-Vereinigung seit Kurzem, möglichst gar keinen Alkohol zu trinken." Aber ich habe gütigerweise mal die Schwelle von 100 g genommen, die im Artikel weiter oben genannt wird.
[3] https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/gesundheit/determinanten/alkohol.html
[4] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/297363/umfrage/gewinn-der-migros/, https://de.statista.com/statistik/daten/studie/297371/umfrage/umsatz-der-migros-in-der-schweiz/
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Letzte Aktivität vor 4 Monaten
Bodenseeknusperli
Bodenseeknusperlivor 5 Monaten
Du hast den Punkt vergessen mit dem Platz.

Wohin? Welche Regale müssen weichen, Was fliegt dafür raus?

Hab heute meinen Talon schon eingeworfen😁
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Polarstern90
Polarstern90vor 5 Monaten
Bereits das erste Argument " Kundenbedürfnis: Kunden kaufen am liebsten alles an einem Ort. " kann nie zutreffen - man ist immer auf alternative Einkaufsorte angewiesen - selbst als eingefleischtes "Migroskind" - nur 2 Beispiele:
Nespresso Kapseln bei Frisco oder Schweizer Bienenhonig beim Coop
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Farmerin
Farmerinvor 5 Monaten
Danke für diesen Beitrag!
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irem77
irem77vor 4 Monaten
Unserere zwei Mal Nein gerade gestern eingeworfen.

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Farmerin
Farmerinvor 5 Monaten
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rollimaus
rollimausvor 4 Monaten
Die 2x Nein liegen noch neben mir.

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irem77
irem77vor 4 Monaten
Unserere zwei Mal Nein gerade gestern eingeworfen.
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Coacoa200
Coacoa200vor 4 Monaten
Das Thema steht aber drin. Das es auf Kosten anderer Produkten weichen muss.
Es werden Produkte weichen müssen.. Ich denke hier wird der Non Food Abteil verkleinert.

Ich habe auch für ein Nein gestimmt.

Aber ich verstehe schon, wenn die Migros nicht möchte, dass Leute ihren restlichen Einkauf bei Aldi, Lidl oder Coop erledigen möchten lassen. Nicht überall ist eine Denner Filiale in der Nähe…

Meiner Meinung nach müsste die Migros wenn sie schon mit dem Alkohol Thema bricht, auch Tabak reinnehmen.

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Bodenseeknusperli
Bodenseeknusperlivor 5 Monaten
Du hast den Punkt vergessen mit dem Platz.

Wohin? Welche Regale müssen weichen, Was fliegt dafür raus?

Hab heute meinen Talon schon eingeworfen😁
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